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250_Jahre_FriedrichsfeldEine an der Haltestelle Rümland angebrachte Tafel verkündet: „250 Jahre Friedrichsfeld 1761 – 2011“. Gemeint ist der seit fast 130 Jahren zu Hollingstedt gehörende Ortsteil Friedrichsfeld, der aus der „Kolonie Friedrichsfeld“ hervorgegangen ist, die 1761 im Rahmen der Heide- und Moorkolonisation begründet wurde.

Friedrichsfeld und über 40 andere ehemalige Kolonien zwischen Rendsburg und Tondern, blicken in diesem Jahr auf ein 250jähriges Bestehen zurück. Das ist Anlass, der Gründung dieser Kolonien und besonders der Menschen zu gedenken, die als Kolonisten unter größten Anstrengungen, Entbehrungen und Opfern die Heide- und Moorgebiete der Geest besiedelt und durch ihren Fleiß in Kulturland verwandelt haben.
Der „Kolonistenstein“ vor dem Dörpshuus in Friedrichsfeld erinnert an den Beginn der Heide- und Moorkolonisation und an die Namen von Kolonistenfamilien, die als Einwanderer aus Südwestdeutschland die Heide- und Moorgebiete der Geest besiedelten. Es ist das Verdienst des damaligen Leiters der „Arbeitsgemeinschaft Heide- und Moorkolonisation“ im Heimatverein Schleswigsche Geest, Christian Winkel, diesen Gedenkstein aufgestellt zu haben, der im September 2004 festlich eingeweiht wurde. Er ist inzwischen zu einem Anziehungspunkt für Nachkommen der Kolonisten aus dem In- und Ausland geworden. An gleicher Stätte findet am Sonnabend, dem 4. Juni 2011, eine zentrale Festveranstaltung zum 250jährigen Bestehen der ehemaligen Kolonien statt. Sie wird am Abend in einem großen Feuerwerk ausklingen.

Friedrichsfeld_KolonistensteinFriedrichsfeld ist nach dem dänischen König Friedrich V. (1746 – 1766) benannt. Er war es, der die Besiedlung der Heide- und Moorflächen anordnete, um das Land urbar zu machen. Dazu ließ er Siedler aus Baden-Württemberg, aus der Pfalz und aus Hessen anwerben. Diese Herkunft ist der Grund, weshalb uns auf dem Kolonistenstein in Friedrichsfeld und unter den Nachkommen der Kolonisten auffallend viele süddeutsche Namen begegnen. Die Bezeichnung der Siedlungen als „Kolonien“ und der Siedler als „Kolonisten“, entsprach dem damaligen Sprachgebrauch. In Süddeutschland herrschte nach dem siebenjährigen Krieg große Not. Voller Hoffnung folgten die Menschen den Verheißungen der Werber. Die Siedler machten sich mit ihren Familien in Gruppen auf den weiten Weg nach Schleswig und Flensburg, rund 500 Familien mit 4000 Menschen. Jeder Kolonist sollte eine Hofstelle mit 10 ha bis 13 ha Moor- oder Heideland und andere staatliche Hilfen erhalten. Das klang vielversprechend, doch die Wirklichkeit sah anders aus. Der Bau der Häuser für die Kolonisten hatte noch nicht begonnen. Die Siedlerfamilien wurden in den umliegenden Dörfern einquartiert oder hausten auf abgelegenen Hofstellen in selbst gegrabenen Ertdhütten.

Die Urbarmachung der Heide- und Moorflächen war harte, mühsame Handarbeit, an der alle Familienmitglieder teilnahmen. Es war ein schweres Leben, und die urbar gemachten Böden brachten anfangs keine Erträge. So gaben viele Kolonisten auf, sie desertierten bei Nacht und Nebel. Erst später wurden Kolonisten aus ihren Verpflichtungen entlassen und erhielten die Erlaubnis auszuwandern. Die meisten von ihnen gingen nach Russland, wo sie unter Zarin Katharina II. bessere Bedingungen vorfanden.
Die „Kolonie Friedrichsfeld“ war nach ihrer Fläche und der Zahl von 28 Hofstellen die größte im Herzogtum Schleswig. Sie dehnte sich von Jägerslust bis Rümland und erstreckte sich auf Heide- und Moorflächen der Dörfer Schuby, Ellingstedt, Hollingstedt, Treia und Silberstedt. Zugleich gehörte das Gebiet der Kolonie zu drei verschiedenen Kirchspielen: Hollingstedt, Treia und St.Michaelis-Schleswig. Der ursprüngliche Plan sah keine geschlossene Siedlung vor, vielmehr sollten die Kolonisten in Einzelhöfen auf ihrem Land wohnen. Die große Ausdehnung, die isolierte Lage der Hofstellen, die weiten Entfernungen und die Zugehörigkeit zu drei Kirchspielen, erschwerten aber das Leben und die Entwicklung als Gemeinde.
So stellte die Kolonistengemeinde Friedrichsfeld 1871 schließlich selbst den Antrag, die Gemeinde aufzulösen und ihre Teile mit den nächst gelegenen politischen Gemeinden zu vereinen. Die königlich preußische Regierung entsprach diesem Wunsch mit Erlass vom 7. Februar 1873. Die Kolonistengemeinde Friedrichsfeld wurde aufgelöst, ihre Teile mit den Gemeinden Schuby, Silberstedt und Hollingstedt verbunden. Seither gehört der Ortsteil Friedrichsfeld zu Hollingstedt.

In Friedrichsfeld leben der Name und die Tradition der großen Kolonistengemeinde weiter fort. Die Auflösung der Kolonistengemeinde mit ihrer ungünstigen Siedlungsstruktur führte in Friedrichsfeld schon bald zu dichterer Besiedlung und Bebauung. Bauernhöfe, Handwerksbetriebe, Kaufläden, eine Meierei und ein stattlicher Krug reihten sich entlang des Kolonistenweges. Wo es vorher nur Einzelhöfe gab, entstand eine lebendige dörfliche Siedlung, in der sich die Menschen zu Hause fühlten und als „Friedrichsfelder“ ein ausgeprägtes Gemeinschaftsgefühl entwickelten. Das zeigte sich besonders als nach Schließung des Dorfkrugs ein Treffpunkt für Geselligkeit und Veranstaltungen fehlte. Mit eigener Kraft und in gemeinsamer Anstrengung errichteten die Friedrichsfelder ihr „Dörpshuus“ als Treffpunkt und Dorgemeinschaftshaus, eine große Erfolgsgeschichte.

Am Dörpshuus steht auch der Kolonistenstein und hier wird am 4. Juni die Festveranstaltung zum 250jährigen Bestehen der ehemaligen Kolonien stattfinden.

Kontakt

Petra Bülow
Bürgermeisterin
Osterende 4
Hollingstedt, 04627/350
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